Die gut 13 000 Leser erfuhren in einer kleinen Meldung auf der Lokalseite, dass ihre Zeitung bald nicht mehr erscheinen würde. Das Darmstädter Tagblatt, die drittälteste deutsche Zeitung, verstummte am 30. September 1986.
Jährliche Verluste in Millionenhöhe hatten die die Lokalzeitung zur Aufgabe gezwungen. Zwei ehemalige Verlagsmanager wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie der Zeitung mit gefälschten und überhöhten Rechnungen Verluste in Höhe mehreren Millionen Mark zugefügt hatten.
Schon zwei Jahre vor dem endgültigen Aus waren die Arbeitsplätze der etwa 90 Beschäftigten der Darmstädter Tagblatt Verlagsgesellschaft mbh bedroht gewesen. Die Geschäftsleitung der Mainzer Verlagsanstalt, der Eigentümerin der Traditionszeitung, war offenbar der ständigen Verluste der hessischen Tochter überdrüssig und spielte mit dem Gedanken, die Zeitung einzustellen.
Überraschend schien Rettung möglich: Clemens Knoll, damals langjähriger Assistent der Geschäftsleitung der Verlagsanstalt, wechselte als Verleger nach Darmstadt und veränderte das Aussehen der Lokalzeitung. Aber die wirtschaftliche Talfahrt war nicht aufzuhalten. Die Darmstädter Echo Verlag und Druckerei GmbH kaufte den angeschlagenen Konkurrenten des Darmstädter Echo und stellte die Traditionszeitung drei Monate später ein.
248 Jahre lang war das Tagblatt erschienen. Als Frag- und Anzeigungs-Blättgen war es am 24. Oktober 1738 erstmals gedruckt worden - mit gnädigstem Privilegie des damaligen hessischen Landgrafen. Es erschien wöchentlich; erst mehr als 100 Jahre später kam das Anzeigenblatt täglich heraus, baute einen Nachrichtenteil auf und gab sich den Titel Darmstädter Tagblatt, den es seit 1986 nicht mehr gibt.
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